PAULA BREITHAUPT






















2011



Allerlei angezogen

Nackt sind weder die Mädchen, noch die Settings, die Paula Breithaupt zusammenbringt. Sie führt Mädchen aus Berlins Straßennetz zu dem starken Faden, der dem Potsdamer Platz entspringt, an dem ein buntes Allerlei sich aufreiht bis zu seinem Endknoten mitten in Schöneberg. Die gewählten Orte entlang der Potsdamer Straße könnten kaum gegensätzlicher sein: Der Potsdamer Platz, Monument der Neunziger Jahre und Tempel der Unterhaltungsindustrie. Der Wintergarten, ein Jahrhunderte altes Varieté-Theater in goldglänzendem Gewand mit roten Samtaccesoires. Das Pallasseum, ein überdimensionaler Sozialwohnungsbau, wo die Betonwände lediglich einen schmalen gläsernen Gürtel tragen und Menschen aller Nationen ein kleines Universum finden. Dazwischen das verlassene Tagesspiegel-Gelände. Während es entlang dieser Straße zumeist wimmelt und schimmert, erscheint das leer stehende Redaktionsgelände einer der großen Berliner Tageszeitungen als stiller und versteckter Vermittler. Aber nicht nur hier, wo die Wände ein nicht immergrünes Efeukleid tragen, ist ein Stück Intimität möglich. Die glamouröse Atmosphäre des Wintergartens lässt dagegen nur Koketterie und verschlossene Gesichter zu, allenfalls einen Hauch von Traurigkeit. Die analoge Phototechnik öffnet Zeitfenster zur Entwicklung der Werke.(Technische Analyse der Photos) Die Künstlerin lebt in Nachbarschaft des Geistes barocker Herrscher und studiert Interface-Design an der Potsdamer Fachhochschule. Mode stellte schon früh den Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens dar. Sie ist Ausdrucksmittel, Selbstinszenierung, aber auch schützende Hülle. Dieses Spektrum an Funktionen füllen ihre Bilder aus - von Spitze und Glitzer á la Moulin Rouge bis zu hipper Streetwear, zwischen eleganter Maskerade und gelassener Ehrlichkeit.

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